Erdbeckenwärmespeicher im Würmtal

Zu dem aktuell im Raum stehenden Vorschlag für ein interkommunales Erdbeckenwärmespeicherprojekt in Gräfelfing und Planegg haben wir am 9. Juni 2020 eine Stellungnahme unserer Fraktion an den Bürgermeister, unserer Gemeinde, die Gemeinderäte und die Presse gesandt (siehe unten).
Unsere drei wichtigsten Anliegen:
1. Wir brauchen in unserer Gemeinde nicht den größten Wärmespeicher der Welt, wir  brauchen zum Erreichen der Klimaziele einen möglichst hohen Anteil an emissionsfreier Energie, und das kann im sonnenverwöhnten Würmtal nur die Solarenergie sein. Je größer der Speicher, desto geringer der Solaranteil, denn Flächen für Solarparks sind im dichtbesiedelten Würmtal knapp!
2. Den Bürgern wurde die viel zu nahe an einem großen Wohngebiet gelegene neue Kiesgrube mit dem Trostpflaster einer vertraglich festgelegten baldigen Wiederverfüllung und Renaturierung der 5 ha großen Grünfläche im Grünzug verkauft. Dieses Versprechen kann nicht einfach ohne Ausgleich kassiert werden!
3. Es gibt unseres Erachtens die Möglichkeit ein vernünftig dimensioniertes Projekt – ohne künstlichen Zeitdruck!  – in Planegg durchzuführen, ohne Probleme mit der Verfüllzeit der Kiesgrube und Schwierigkeiten bei der interkommunalen Verteilung von Kompetenzen, Rechten und Verpflichtungen fürchten zu müssen.


Stellungnahme zum Erdbeckenwärmespeicherprojekt

am 11.05.2020 haben wir alle einen Beschlussantrag auf Einholung einer Machbarkeitsstudie für ein interkommunales Erdwärmebeckenspeicherprojekt der Gemeinden Gräfelfing und Planegg in der Klostermeiergrube/Martinsrieder Feld von der grünen Gruppe 21 (gG21) erhalten. Ein 5 ha großes Solarfeld in Planegg, südlich der Fürstenrieder Straße, soll Energie zur Speicherung liefern.

Wir haben uns mit der Thematik gründlich befasst und uns zum Austausch am 04.06.2020 mit der Fraktion der gG21 getroffen. Diese Speichertechnologie ist ein wichtiger Schritt zum Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere der Solarenergie.

In Dänemark, dem Weltmarktführer und Vorbildgeber auf diesem Sektor, gibt es aktuell 5 moderne Anlagen mit Fassungsvermögen von 60.000 bis 210.000 m3 Wasser als Speichermedium. Jeweils angeschlossen und angegliedert sind Solarthermiefelder, die 45-60% der Speicherkapazität von 5.400 bis 12.180 MWh liefern. Anders als im Münchner Merkur- Artikel vom 6./7. Juni 2020 angedeutet, sind die Abdeckungen dieser Anlagen nicht für die Allgemeinheit nutzbar.

In Deutschland gibt es laut unserer Recherche in Schleswig-Holstein derzeit zwei Projekte im Planungsstadium, eines in Neumünster (97.000 Einwohner) mit 2 x 200.000 m3 Volumen und ein bereits beschlossenes in Meldorf (7.200 Einwohner) mit 50.000 m3 Volumen. Die Anlage in Neumünster soll die Abwärme einer Müllverbrennungsanlage aufnehmen, die in Meldorf die Abwärme einer großen Druckerei. Für die Kosten in Neumünster sind aktuell 60 – 80 Mio. € veranschlagt. Die Anlage in Meldorf wird 5,8 Mio. € kosten, wovon 60% als Zuschuss fließen werden.

Hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung möchten wir folgende Fragen und Anmerkungen zur Diskussion stellen:

  1. Vertragliche VerpflichtungenDer Auskiesung, bis unmittelbar an ein großes Wohngebiet, wurde 2017 von der Gemeinde Planegg/Martinsried unter der Voraussetzung zugestimmt, dass das Gebiet von der Firma Glück mit kurzer Frist aufgefüllt und renaturiert wird. Dies wurde vertraglich festgelegt. Der Wille der Bürger, denen die baldige Renaturierung versprochen wurde, sollte bei diesem Diskussionsprozess berücksichtigt werden, z.B. mit einer Ausgleichsfläche.
  2. FinanzierungFür die Machbarkeitsstudie steht ein Kostenrahmen von 50.000 € – 100.000 € im Raum. Es ist zu klären, wer fürdiese Kosten aufkommen soll. Der Vorschlag der gG21 bezieht sich auf ein Gräfelfinger Gebiet, das größtenteils Eigentum eines Gräfelfinger Unternehmens ist.
  3. Eigentumsrechtliche FragenDie rechtliche Konstruktion einer interkommunalen Einrichtung und die sich daraus ableitenden Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen sind vorab zu klären. Es handelt sich um ein Interessengemenge auf fremdem Grund. Wer erhält die Einnahmen für den Verkauf von Wärmeenergie aus dem Speicher? Wer erzielt welchen Anteil der Gewerbesteuereinnahmen?
  4. EnergiemixDer Vorschlag der gG21 sieht bei einer Speichergröße von 300.000 m3 für den Solarspeicher einen Solarenergieanteil von 20% vor, begrenzt durch die Dimension des Solarfeldes von 5 ha.
    Angesichts der anerkannten Tatsache, dass die Klimaziele ohne den massiv verstärkten Einsatz von Solarenergie in Süddeutschland nicht zu erreichen sein werden, kommt dem Solaranteil im Energiemix eine besondere Bedeutung zu. In den dänischen Vorbildern werden durchweg 45-60% erreicht. In Südbayern kann mit demselben Flächenaufwand mindestens etwa 10% mehr Solarenergiegewinnung erzielt werden als in Dänemark. Wir halten daher 40% Solaranteil für das zu fordernde Minimum, 50-60% aber für erstrebenswert.

Für den restlichen Energieeintrag sehen wir derzeit keine klimafreundlichen Quellen. Die Gewinnung von Abwärme aus gewerblichen Klimaanlagen dürfte bei weitem nicht ausreichen und außerdem unrentabel sein.

  1. StandortbedingungenDas ausgekieste Volumen wird etwa 700.000 m3 betragen. Normalerweise dauert die Verfüllung einer Kiesgrube dieser Dimension 10-20 Jahre. Laut Antrag besteht Dringlichkeit wegen einer vertraglich vereinbarten Auskiesungs- und Verfüllzeit von 5 Jahren ab 2018. Somit würden nur 3 Jahre Verfüllzeit bleiben. Bei der angestrebten Speichergröße von 300.000 m3 müssten 400.000 m3 verfüllt werden, wobei der Materialfluss zeitlich nicht kalkulierbar ist. Das wirft Fragen hinsichtlich Logistik und Planbarkeit auf. Größere Verzögerungen beim Bau des Speichers sind möglich.
  2. SpeichergrößeBei Vollausnutzung der Grube als Speicher wären wg. der nötigen Anböschung nur ca. 100.000 m3 zu verfüllen. Allerdings wäre der Speicher mit 600.000 m3 ca. dreimal so groß wie der bisher größte der Welt in Vojens, Dänemark. Für eine solche Dimension existieren bisher keine Erfahrungen. Der Solaranteil würde auf 10% sinken und das zu erwartende Energiedefizit würde somit noch größer werden. Bei einer Speichergröße von nur 100.000 m3 wäre der Solaranteil zwar angemessen, der Speicher könnte aber erst gegen Ende der Verfüllzeit errichtet werden, und das mit den unter Punkt 4 genannten Unwägbarkeiten.Bei der Größe des Speichers sollte auch die Dimension der benötigten Solarfläche berücksichtigt werden. So sind für einen angemessenen Energiemix bei einem Speichervolumen von 300.000 m3 25 – 30 Fußballfelder an Solarfeld notwendig.
  3. Weitere KostenDie Fa. Glück kann nach unserer Berechnung mit der Verfüllung der Kiesgrube Einnahmen von 15-20 Mio. €erzielen. Es wäre zu klären, welche Forderungen die Fa. Glück für entgangene Verfüllgebühren verlangen würde. Oder will die Fa. Glück auf Kompensation verzichten und mit der Anlage dauerhaft Einnahmen generieren?

Im Hinblick auf die oben genannten Punkte möchten wir folgenden Alternativvorschlag vorbringen:

Wir schlagen vor, dass die Machbarkeit eines Erdbeckenwärmespeichers mit Solarthermiefeldanschluss für beide Gemeinden separat evaluiert wird, für Planegg auf dem designierten Solarenergiefeld. Bei einer Speicherkapazität von ca. 100.000 m3 könnte um den Speicher ein Solarfeld von ca. 4 ha errichtet werden. Als Vorbilder für Anlagen dieser Größe können die beiden Speicheranlagen in den dänischen Nachbargemeinden Gram (125.000 m3) und Toftlund ( 85.000 m3) dienen (siehe Anhang).

Dies hätte folgende Vorteile:

  1. Durch die Entkopplung beider Projekte werden Zuständigkeits- und Verwantwortlichkeitskonflikte sowie eigentumsrechtliche Fragen und Einnahme-/Kostenverteilungsfragen vermieden.
  2. Die kleinere Dimensionierung des Speichervolumens entspricht dem verfügbaren Energieeintrag, mit klimaeffizientem Solaranteil.
  3. Durch die Entkopplung gibt es für unsere Gemeinde keine logistischen Unwägbarkeiten und möglichen Verzögerungen wg. zu langsamer Verfüllung der Kiesgrube.
  4. Durch jeweils unmittelbare Nähe von Speicher und zugeordneter Solarthermieanlage ist maximale Energieeffizienz gewährleistet.
  5. Das Planegger Projekt kann unabhängig von einer Ausgleichslösung (siehe 1., Vertragl. Verpfl.) realisiert werden.

Wir würden es begrüßen, wenn im Gemeinderat eine gründliche Diskussion zu diesem Projekt stattfindet, denn allein durch dessen Dimension verdient es eine sorgfältige Prüfung und Abwägung aller Argumente und Vorschläge. Am Ende können wir zusammen die beste Lösung für unsere Gemeinde finden!

Die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Gemeinderat von Planegg/Martinsried Judith Grimme, Dr. Jürgen Peters, Hannah Betz, Bastian Stibbe

 

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